Männer auf Touren

 
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Sonntag 11.Jänner 2009

Semmering: Liechteinsteinloipe und Pinkenkogel

  Neigungsgruppe Langlauf: Frankie und Ronny
Neigungsgruppe Schneestapfen: Franz,  Joachim, Peter, Rainer und Wolfgang

Alle anderen hatten uns im Stich gelassen, wobei wir nicht sicher waren, ob nicht zumindest zwei Gewohnheitstiere am Südbahnhof statt in Meidling (Abfahrt 8:12) warteten. Der Erlebniszug „Wiener Alpen“ hatte nämlich eine Besonderheit: er kam aus Bratislava-Petrzalka und fuhr daher den Südbahnhof gar nicht an. Abgesehen von einem grünen Erlebniszugwaggon hinter der Lok, waren es allesamt moderne und vor allem gut geheizte slowakische Wagen, die ebenso gut mit Skifahrern aus der Slowakei ausgelastet waren. Erst im letzten Waggon fanden wir zwei leere Abteile und das auch nur, weil einige Zusteiger die slowakischen Reservierungspickerln nicht entziffern konnten. Wir auch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ab Baden oder Wiener Neustadt reserviert hätte, schien uns gering. Die Euphorie darüber wurde knapp vor Liesing etwas gebremst, denn es gab einen viertelstündigen Halt, dessen Ursache uns verborgen blieb.

Statt um 9:48 kamen wir daher erst um 10:00 am Semmering an und machten uns nach einer kurzen Beratung auf den Weg. Erst einmal bergauf bis zum Südbahnhotel und dann zur Liechtensteinstrasse, auf der irgendwo die Loipe begann. Zwei Frauen kamen schon mit geschulterten Skiern zurück. Die Loipe sei schlecht, viele Steine und sie hätten daher aufgegeben.
Wo wir schon einmal da waren, machte es wenig Sinn über Alternativen nachzudenken, noch dazu, wo ja auch der Golfplatz sicher geschlossen war, und nach knapp 500 m hinter dem normalen Loipeneinstieg schnallten Frankie und Ronny die Skier an. Die Schneestapfer begleiteten sie etwa 1 km und überließen sie dann ihrem Schicksal auf der vielfach durch Ästchen und Steine mühsamen Langlaufspur.

Während sie westwärts Richtung Talhof zogen, stapften die anderen fünf bergan auf den Pinkenkogel. Auf dieser Seite war nur Schatten und stellenweise kalter Wind. Mit den Goldgräbergeschichten von Jack London konnten wir nicht mithalten, aber gemütlich war es auch nicht. Der Anstieg war großteils auf einer Forststrasse, deren hässlicher Anblick aber durch den Schnee gemildert wurde. Gegen ¾ 12 waren wir auf dem Pinkenkogel in der prallen Sonne. Blick bis zur Veitsch und ins Mürztal. Das Wiener Becken verschwand in einer grauen Nebelbrühe. Um diese Zeit hatten wir noch Glück und fanden Platz. Die Hütte war eher von kleiner Statur und 15 Minuten später hätten wir wohl auf den Bänken vor dem Haus Platz nehmen müssen. Da wären die Suppen (Kraftsuppe, Gulaschsuppe und Kaspressknödelsuppe – allesamt nicht gerade überwürzt)  am Löffel erstarrt und Peters Gemüsestrudel („Fülle OK, aber ich mag Strudel an sich nicht“) zu einem Klumpen gefroren. Ganz abgesehen davon, dass er seinen Kräutertee hätte lutschen müssen.

Die wohlige Wärme in der Stube trieb uns nicht hinaus, weshalb wir eine Stunde ausharrten und uns dann für den Abstieg Richtung Panhans entschieden, weil er mehr in der Sonne lag als der Aufstieg. Das ging auch um einiges flotter, wenn uns auch der teilweise glatte Silberer-Weg  zu vorsichtigem Ausschreiten veranlasste. Nur Joachim war etwas schneller, weil er seine durch das kürzlich erlernte Snow-boarden gewonnene Reaktionssicherheit und Körperbeherrschung testen (bzw. uns vorführen) wollte. Trotzdem waren wir in knapp 45 Minuten wieder unten.

Wir schlugen die Zeit bis zum Zusammentreffen mit der Langlaufgruppe mit  Herumstehen auf dem sonnigen Anfängerhang tot. Frankie und Ronny kamen gegen ½ 3 zurück. Die Annahme, sie hätten die Strecke 2 x gemacht,  war falsch. Die Bedingungen waren zu schlecht.
Im Pseudo-Jugendstil-Café des Panhans gönnten wir uns Kaffee, Schokolade, Kartoffelsuppe, Schokocremetorte, Panhanstorte (1x mit Schlag) und Himbeer-Topfen-Torte. Aufbruch kurz nach 3 Uhr und über den Waldweg zum Bahnhof. An einigen Stellen hatte man den Schnee von der Strasse einfach in den Wald gekippt, wo dann große Brocken den Weg versperrten. Wir waren rechtzeitig genug unten um noch einem Neo-EU-Bürger zu erklären, dass dies der Bahnhof und nicht der Alpenhof war.

Abfahrt um 15:52 mit einer S-Bahn Garnitur nach Payerbach. Ronny stillte seinen Hunger mit Schoko-Leibniz, was eine kurze Diskussion mit dem Schaffner zur Folge hatte: „Sad’s es vom Heim?“   „?????“,  „Na  geht’s jetzt ned ins Heim?“ „Nein, noch nicht!“ „Ned ins Diätheim?“  „Nein!“. Weiter hinten im Wagon hörten wir ihn dann brüllen: „Do san jo meine Heimkinder! Woats wieder in der Konditorei?“.

Von Payerbach ging es direkt nach Wien. Der Zug hatte den klingenden Namen „Oskar Sima“. Kennt den noch jemand? Ich kann mich nur an eine Szene erinnern in der er „Sie Trottel!“ sagte, was ich als Kind ungemein witzig fand. Knapp vor 18:00 waren wir in Meidling.

Die Wandermathematik ist einfach:

Mehr als 4 Stunden für die Langläufer, sofern sie uns nicht eine größere Pause verheimlicht haben. Dafür nur geringe Höhenunterschiede.

Fast 3 Stunden für die Schneestapfer, die aber immerhin 396 m berauf stiegen.

Die Themen und wichtigen Aussagen werden die Welt nicht verändern:

„Spanisch ist eine elegante Sprache“ „Was ist an once, doce, trece schön? Mir gefällt Italienisch besser.“   -    Südtirol hat die höchste Lebensqualität Italiens    -    Myrrhe ist ein Baumharz und Myrte ein Strauch (Dank an Joachims Handy)   -   sagt man Bratislaver oder Bratislavaer Schloss?   -    „ich esse heute Lauchrisotto, wenn du es siehst, wirst du es nicht mögen“ „Risotto sieht an sich nie appetitlich aus“ „da kennst du meines nicht, aber ich werde schamlos Rotwein dazu trinken“   -   „Wien hat im Vergleich zu gleich großen Städten ein gewaltiges Kulturangebot“ „ja, selbst die Scala hat drei Tage die Woche zu“ „nein, sie hat nur drei Tage offen“   -   „wie oft müssen wir umsteigen?“   -   „man pinkelt nicht auf den Weg, du machst das in deinem Stiegenhaus ja auch nicht.“   -   „in meinem Haus prozessiert jeder gegen jeden“   -   Wanderungen auf den Kanaren   -   Metro hat keine laktosefreie  Haltbar-Milch   -   das krampfhafte Aufmotzen der Wiener Märkte   -   Ferngläser, youtube, xtube und das Studentenheim gegenüber   -   der Fahrdienstleiter steht da wie ein   Modellbahnmännchen von Faller   -   es heißt Pinkenkogel nicht Pinkelkogel   -    Abends Rückenschwimmen unter einem Glasdach  hat den Vorteil, dass man sich sieht und merkt ob man mit jemandem kollidiert oder an den Beckenrand donnert.    -    „ich hätte doch ÖVP wählen sollen; mir tat der Molterer so leid“   -   die Anzahl der Zähne bei Leibniz Keksen und wie man sie zählt   -   die Vorschläge zur Bewältigung der Energiekrise fanden keinen Konsens.

R.


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