Männer auf Touren

 
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Sonntag  10. Mai 2009

Leiser Berge
Buschberg – Au – Oberleiser Berg - Ernstbrunn

  „Erlebniszüge“ hatten wir schon genug, also musste diesmal ein „Nostalgiezug“ her. Während sich so gegen 8 Uhr die Truppe in der Kassenhalle des Südbahnhofs  sammelte, waren die Eisenbahnfreunde schon am Bahnsteig um die Traktion zu  begutachten, was in etwa „Zug schauen“ heißt. Außer einem grünen, zweiachsigen  Waggon mit offener Plattform, wie sie nach dem Krieg Österreichs Schienen belebten, war aber noch nichts da. Der Dieseltriebwagen VT 5145.11 kam erst später dazu und  gegen ¼ 9 Uhr quetschten sich Christian, Erich, Frankie, Gernot, Harald, Harald,  Helmut mit Emmi und Harry, Herbert, Igo, Josef, Josef, Karl, Klaus, Markus, Nikolaus, Peter, Rainer, Roland, Thomas, Thomas, Werner und Wolfgang auf die Plastikpolsterung. Noch ein Thomas stieg in Korneuburg zu. Thomas aus Bad Vöslau hatte leider großes Pech. Sein Zug nach Wien hatte wegen eines Unfalls Aufenthalt auf der Strecke und es gab keine Variante, mit der er unseren Triebwagen noch hätte erreichen können.

Der VT 5145 war in den 50er und 60er Jahren unter dem Künstlernamen „Blauer Blitz“ bekannt. In meiner Erinnerung arbeitete er sich im gehobenen Lauftempo den Semmering hinauf, war aber unter anderem als „Venezia“ täglich in die Lagunenstadt unterwegs. Mehr dazu:   www.club-blauer-blitz.com

Die Fahrt ging über die Ostbahn, Simmering, Stadlau, vorbei am Rinter-Zelt  nach Leopoldau und weiter nach Korneuburg. Dabei wurde auch die, vor etwa 10 Jahren wieder aktivierte, Hochbahn („Italienerbrücke“) über die Brünner Strasse befahren. Ob unsere Bahnfreaks das geschnallt haben, weiß ich nicht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Floridsdorfer_Hochbahn

Ging es vom Süd(Ost)bahnhof  bis Korneuburg noch flugs dahin, war die Fahrt von Korneuburg nach Ernstbrunn ein gutes Beispiel dafür, wie man Nebenbahnen gezielt meuchelt. Ein Stünderl  für etwas mehr als 30km ist lieblich, wenn man Zeit hat. Dafür sahen wir Fasane, Rebhühner, Hasen, jede Menge Rapsfelder und beim einzigen Schranken auf der ganzen Strecke musste der Zug halten. Der Schaffner stieg aus, ließ den Schranken herunter, der Zug fuhr ein paar Meter vor, der Schaffner kurbelte wieder hoch, stieg ein und weiter ging’s. Bei vorheriger Anmeldung darf das auch ein Fahrgast machen, wie uns einer der beiden jungen Begleiter von den NÖ-Landesbahnen erklärte. Allerdings fährt der Zug nicht zehn Mal hin und her, sollten sich einmal 10 Interessierte melden. Markus holte während der Fahrt alle Essenswünsche ein, um so mittags die Zeit für Bestellungen zu kürzen.

Ankunft um 10:08 in Ernstbrunn , wo nicht nur der Naturparkbus auf uns wartete, sondern auch Joachim sowie Bernhard und Harald mit Lisa. Wir waren 26 plus 3 Hündchen. Der Busfahrer war in gedämpftem Harley-Outfit und versuchte die Fahrt so kurzweilig und informativ wie möglich zu gestalten, was ihm auch ganz gut und mit einigen Schmähs gelang. Vor allem die Höhenangabe des Buschberges mit 561m war kühn, denn laut Plan sind es nur 491m, aber vermutlich hat er die Kugel der Austrocontrol einfach mitgerechnet.

Nach Ankunft am Buschbergparkplatz (10:43) nahm uns Markus unter seine Fittiche. Er ist Natur- und Landschaftsführer  und hatte sich bereit erklärt, uns die Pflanzenwelt der Leiser Berge näher zu bringen. Und zwar egal ob giftig oder ungiftig, sich selbst ernährend oder Schmarotzer und zart duftend oder nach Fischmehl mit Vanille riechend.

Über den Zahlberg zu einer Kuppe mit steppenartiger Bewachsung, schöner Aussicht  und einigen Skulpturen hinunter nach Au (12:15) in den Gasthof Riepl zum Mittagessen. Dank Vorbestellung waren alle knapp vor 14:00 abgefüttert. Und zwar inklusive einiger Kaffees und Nachspeisen.

Wieder ein Stück zurück und über die Römerweg-Brücke auf den Oberleiser Berg mit seinem Aussichtsturm und Resten der ersten Besiedlung vor mehr als 6000 Jahren. Schade, dass es so dunstig war, denn bei klarem Wetter muss der Ausblick gewaltig sein, auch wenn die Leiser Berge alles nur kein Hochgebirge sind.
www.oberleiserberg.at/
www.oberleis.at/
Der  Weiterweg nach Ernstbrunn führte uns durch Oberleis mit der Wallfahrtskirche „Maria Oberleis“, über die Steinbacher Heide und durch den Wald entlang des Wildparks zu einer Kastanienallee mit Blick auf das Schloss Ernstbrunn. Ausser einigen sensibel renovierten, alten Weinviertler Häusern (und ebenso vielen krampfmodernisierten), hat uns Ernstbrunn nicht wirklich von den Socken gehauen, abgesehen von sehr schönen Bauerngärten. Und es zog sich gewaltig bis zum „Bahnhof“, den wir um ¼ 5 erreichten. Der Zug war schon wieder zurück. Das Lokal gegenüber hatte, wie immer wenn wir wo warten, geschlossen und es gab nur Wasser vom Brunnen am Bahnhof. Jemand erklärte, dass nach dem Winter schon genügend Wasser durchgeflossen wäre und man es ruhig trinken könne, das von der Toilette  aber besser wäre. Danke, zu spät!

Bernhard, Harald und Joachim verabschiedeten sich. Für uns war Abfahrt um 16:50. Die Eisenbahnfreunde verzogen sich in den alten grünen Waggon, der Rest wieder in den „Blauen Blitz“, wo man dafür die Segnungen des Buffet-Abteils genießen konnte: Mineralwasser, Cola, Bier, Orangensaft und Filterkaffee.

Thomas stieg in Korneuburg aus, die meisten anderen um 18:10 in Leopoldau und einige fuhren bis Südbahnhof (18:37).

Der Fitnesswert der Veranstaltung war nicht umwerfend, aber bei einer reinen Gehzeit von knapp 3 ½ Stunden und rund 13km, fallen Schnitzel, Schweinsbraten und Knödel kaum ins Gewicht. Die Höhendifferenz lassen wir lieber beiseite, denn den Großteil übernahm  der Bus für uns.

Einige Gesprächfetzen schwirrten auch durch die heiße Luft:

„ich habe einmal in einem Supermarkt gearbeitet, was sich hinter der Theke mit Wurstwaren abspielt, wollt ihr gar nicht wissen“   -   „sind ein kaputter und ein funktionierender FI-Schalter besser als nur ein kaputter? Schließlich hat man früher ganz ohne FI überlebt!“ „nicht wenn es bereits in der Wand rauscht und zischt“  -   was ist eigentlich ein Fetisch?   -   „selbst wenn die Donau die Grenze war, sind die Römer auch nördlich von ihr unterwegs gewesen, um Feinde in Schach zu halten“   -   „ich sage euch nicht was ich wähle, es könnte gegen mich verwendet werden“   -   der Handtuchhalter in Form eines riesigen schwarzen Penis auf der Damentoilette des „Troadkastl“ zu Aich im Ennstal   -   soll man alte Freunde einer jungen Liebe opfern?   -   die Bienenpopulation hatte wegen des verspäteten Frühlingsbeginnes eine längere Durststrecke   -   „ wie lade ich Fotos auf meinen PC ohne alle sechshundert zu übertragen“ „das Problem hatte ich  auch, hab sie alle gelöscht“   -   Für und Wider einer offenen Beziehung und was man darunter überhaupt versteht   -  „ich habe von Wolfgang Schüssel geträumt, er war Arzt und hat mich in einer Art ,Erlebnis-Ordination’ (Sprech- und Wartezimmer in einem) untersucht“, „ich bin ihm unlängst am Schmerling-Platz begegnet, habe ihn aber doch nicht gegrüßt“  „und ich habe am Mittwoch den KHG am Kohlmarkt gesehen, ihn aber gar nicht grüßen wollen, wahrscheinlich deshalb mein Schüssel Traum“   -   Pfingstrosenblütenmatch Volksgarten : Ernstbrunn = 1:0    -   „es gibt Leberknödelsuppe Wiener Schnitzel, Schweinsbraten, Kotelett und Putenschnitzel“ „gibt’s geröstete Knödel auch?“    -  und so weiter.

Von den Meteorologen angekündigtes, nachmittägliches Ungemach blieb aus, das Wetter passte und wir haben außerdem noch einiges dazugelernt:

Die früher legendären Buschberg-Rennen fanden nördlich von Ernstbrunn statt und tun es im privaten Kreis noch immer, um die Unfallstatistik zu heben; es reicht ein wenig wahlloses Grasen um sich einen kleinen, feinen Bulimie-Anfall zu gönnen;  die Schlösser sind nicht frei zugänglich, es sei denn man heiratet dort oder besucht ein Konzert; die trübe Lacke ist nicht dreckig, sondern sandig, war  einmal der Löschteich und ist voller Fische; Robinien sind keine Akazien und nicht heimisch, sondern von Amerika importiert, fühlen sich hier aber wohl. Schließlich noch das Aha-Erlebnis, dass die eher unspektakulären Angebote der Region schöne Erlebnisse bieten und alles klappt, weil alle Beteiligten einander  abstimmen, wie das der Wiener Magistrat in 100 Jahren nicht schaffen wird..

Danke Frankie und Markus für Idee und Durchführung.
R.


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